Ein Maler in Marrakesch
Jacques Majorelle (1886-1962), französischer Maler und Sohn des Jugendstil-Kunsttischlers Louis Majorelle, ließ sich 1919 in der Medina von Marrakesch nieder. 1923 kaufte er einen Palmenhain am Stadtrand. Hier sollte der Garten entstehen.
Um 1931 beauftragte er den Architekten Paul Sinoir mit dem Bau eines äußerst modernen Art-déco-Ateliers: ein großes Malatelier im Erdgeschoss und seine Wohnräume im Obergeschoss. Der Garten ist um ein langes zentrales Becken angelegt, mit abwechslungsreichen Bereichen und zahlreichen exotischen Pflanzen: Kakteen, Yucca-Palmlilien, Seerosen, Palmen und Bambus.
Das Majorelle-Blau
1937 entwickelte Majorelle ein intensives Ultramarinblau, das heute als Majorelle-Blau bekannt ist. Er trug es auf die Atelierwände auf, dann im ganzen Garten: Becken, Pflanzgefäße, Pergolen. Vor dem Grün der Pflanzen und dem Ocker der Erde wurde die Farbe zum Markenzeichen des Ortes, weit über Marrakesch hinaus.
1947: Der Garten öffnet für die Öffentlichkeit
1947 öffnete Majorelle seinen Garten für Besucher. Nach dem Autounfall, der ihn zur Rückkehr nach Paris zwang, wo er 1962 starb, verwahrloste der Garten nach und nach.
1980: Yves Saint Laurent und Pierre Bergé retten den Garten
Yves Saint Laurent und Pierre Bergé entdeckten Marrakesch 1966. 1980 kauften sie den Majorelle-Garten, um ihn vor Immobilienentwicklern zu retten, ließen ihn restaurieren und tauften die benachbarte Villa in Villa Oasis um. Der Landschaftsgestalter Madison Cox ergänzte später in Marokko heimische Sukkulenten und ersetzte die Bodendecker durch rosafarbenen Kies.
Als Yves Saint Laurent am 1. Juni 2008 starb, wurde seine Asche im Rosengarten der Villa Oasis verstreut, wo später ein Denkmal errichtet wurde. Pierre Bergé entschied daraufhin, den Garten der Fondation Pierre Bergé - Yves Saint Laurent zu schenken; heute wird die Stätte von der Fondation Jardin Majorelle betrieben.
Vom Garten zum Kulturzentrum
Das Pierre-Bergé-Museum für Berberkunst wurde 2011 im ehemaligen Atelier von Jacques Majorelle eröffnet und 2020 umbenannt. Das Yves-Saint-Laurent-Museum Marrakesch öffnete am 19. Oktober 2017 direkt nebenan. Der Garten umfasst fast einen Hektar, zählt rund 300 Pflanzenarten und empfängt etwa 600 000 Besucher pro Jahr.
Was man heute noch sehen kann
- das zentrale Becken mit seinen Seerosen,
- Majorelles blaues Atelier, in dem das Berbermuseum untergebracht ist,
- die Kakteen und den Bambus, die palmengesäumten Wege,
- das Denkmal für Yves Saint Laurent in der Villa Oasis (privater Garten, täglich außer mittwochs geöffnet).






