Name und Ursprünge
Der Name „Jemaa el-Fna" bedeutet in etwa „Versammlung der Toten" oder „Moschee des Nichts" — eine Anspielung auf die öffentlichen Hinrichtungen, die dort einst vor den Toren einer auf den Platz blickenden Moschee stattfanden. Der Platz besteht seit der Gründung von Marrakesch durch die Almoraviden im Jahr 1062.
Entwicklung durch die Dynastien hindurch
Unter den Almoraviden (1062–1147) ist der Platz ein Ort der Rechtsprechung und des Handels. Unter den Saadiern (16. Jahrhundert) lassen sich Akrobatentruppen und Geschichtenerzähler dauerhaft dort nieder. Im 19. Jahrhundert beschreiben europäische Reisende bereits genau dieselbe Szenerie: Schlangenbeschwörer, Musiker, Kräuterverkäufer.
Unter dem französischen Protektorat (1912–1956) drohten „modernisierende" Umgestaltungsversuche, den Platz in einen Parkplatz zu verwandeln — im letzten Moment gerettet durch die Unterschutzstellung der Medina.
Die UNESCO-Eintragung (2001)
Im Jahr 2001 wurde Jemaa el-Fna als erster lebendiger kultureller Ausdruck in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit der UNESCO aufgenommen — eine bahnbrechende Anerkennung, die nicht ein Gebäude, sondern eine fortlaufende kulturelle Praxis schützt.
Heute
Tagsüber Geschichtenerzähler, Gnaoua-Musiker, Schlangenbeschwörer, Henna-Künstler und Wahrsagerinnen. Nachts Dutzende Streetfood-Stände, Rauchgeruch und allgemeines Stimmengewirr. Der Platz ist das schlagende Herz von Marrakesch — dem Erscheinungsbild des 19. Jahrhunderts noch immer ähnlich und seit 2001 weltberühmt.
Der Platz lässt sich gut mit der nahegelegenen Koutoubia verbinden, deren Minarett bereits vom Jemaa el-Fna aus sichtbar ist.





