Nejjarine-Museum in Fès: Die Kunst der Holzbearbeitung in einem historischen Fondouk
Im Herzen der Medina von Fès, zwischen Handelsgassen, Werkstätten und historischen Monumenten von Fès el-Bali, befindet sich eines der interessantesten Beispiele für die Wiederbelebung marokkanischen Architekturerbes: das Nejjarine-Museum für Holzkunst und Holzhandwerk.
Das Museum beschränkt sich nicht darauf, Objekte auszustellen.
Das Gebäude selbst ist ein wesentlicher Teil des Besuchs.
Untergebracht im Fondouk Nejjarine, einer ehemaligen Karawanserei aus dem frühen 18. Jahrhundert, ermöglicht das Museum einen Einblick sowohl in die traditionelle Architektur von Fès als auch in mehrere Jahrhunderte marokkanischer Handwerkskunst rund um den Werkstoff Holz.
Geschnitzte Türen, Möbel, Werkzeuge von Handwerkern, architektonische Elemente, Musikinstrumente und Alltagsgegenstände erzählen die Geschichte einer Gesellschaft, in der Holz eine zentrale Rolle spielte.
Um Nejjarine wirklich zu verstehen, sollte man sich den Ort jedoch vorstellen, bevor er zu einem Museum wurde.
Über Generationen hinweg kamen Händler mit ihren Waren und Tieren hierher, betrieben Handel in der Medina und verbrachten die Nacht in Räumen, die rund um den großen Innenhof angeordnet waren.
Heute haben Reisende die Händler ersetzt.
Und der ehemalige Fondouk ist zu einem der interessantesten Orte geworden, um das Handwerk und das urbane Kulturerbe von Fès zu verstehen.
Wo befindet sich das Nejjarine-Museum?
Das Nejjarine-Museum befindet sich am Nejjarine-Platz, im Herzen der historischen Medina von Fès.
Seine Umgebung ist besonders wichtig, um das Monument richtig zu verstehen.
Der Name Nejjarine ist mit den Tischlern und Holzhandwerkern verbunden, die historisch in diesem Teil der Medina tätig waren.
Rund um den Platz befinden sich der Fondouk, Handwerksbetriebe und ein bemerkenswerter historischer Brunnen.
Das Museum liegt in Fès el-Bali, dem ältesten Teil der Stadt.
Die Medina von Fès steht seit 1981 auf der Liste des UNESCO-Welterbes.
Sie wurde im 9. Jahrhundert gegründet und bewahrt ein außergewöhnliches Stadtgefüge aus Moscheen, Medresen, Fondouks, Palästen, Wohnhäusern, Werkstätten und Brunnen.
Nejjarine sollte daher nicht als isoliertes Monument verstanden werden, sondern als Teil eines historischen urbanen Umfelds, das bis heute lebendig geblieben ist.
Was ist ein Fondouk?
Um das Nejjarine-Museum zu verstehen, muss man zunächst die ursprüngliche Funktion des Gebäudes kennen.
Ein Fondouk war eine Einrichtung, die hauptsächlich für Händler und Reisende bestimmt war.
In den großen Handelsstädten Marokkos spielten diese Gebäude eine wesentliche Rolle.
Sie ermöglichten es:
- Händler unterzubringen;
- Waren zu lagern;
- Transporttiere unterzustellen;
- Handelsgeschäfte zu erleichtern;
- Waren während des Aufenthalts in der Stadt zu sichern.
Ihre architektonische Organisation war besonders gut an diese Funktion angepasst.
Die Räume waren in der Regel um einen zentralen Innenhof angeordnet.
Das Erdgeschoss wurde hauptsächlich für Waren, Handelstätigkeiten und teilweise auch für Tiere genutzt.
In den oberen Stockwerken befanden sich Zimmer und weitere Räume für die Händler.
Fondouks bildeten somit einen wesentlichen Bestandteil der städtischen Handelsinfrastruktur.
In Fès, einer Stadt an der Kreuzung bedeutender Handelswege, waren sie besonders zahlreich.
Der Fondouk Nejjarine: ein Monument des 18. Jahrhunderts
Der Fondouk Nejjarine wird im Allgemeinen auf das Jahr 1711 datiert, während der Herrschaft des alawitischen Sultans Moulay Ismail.
Er wurde in einem Viertel errichtet, das eng mit Handels- und Handwerksaktivitäten verbunden war.
Seine ursprüngliche Funktion bestand darin, Händler auf der Durchreise durch Fès zusammen mit ihren Waren aufzunehmen.
Das Gebäude folgt einem für marokkanische Fondouks typischen Grundriss.
Ein monumentaler Eingang führt in einen großen Innenhof.
Rund um diesen erheben sich mehrere Ebenen von Galerien, die Zugang zu den verschiedenen Räumen bieten.
Diese Anordnung entsprach perfekt den Bedürfnissen der Händler.
Die Waren konnten in den unteren Bereichen entladen und gelagert werden, während die Reisenden die Zimmer in den oberen Stockwerken nutzten.
Nejjarine zeichnet sich jedoch auch durch die außergewöhnliche Qualität seiner Architektur aus.
Es handelte sich nicht nur um ein funktionales Gebäude.
Die Gestaltung des Portals, der Galerien, der Holzelemente und der ornamentalen Details zeigt, welche Bedeutung der Ästhetik in der traditionellen marokkanischen Stadtarchitektur beigemessen wurde.
Eine Architektur, die man vor den Sammlungen betrachten sollte
Bei einem Besuch im Nejjarine-Museum wäre es ein Fehler, sofort zu den Vitrinen zu gehen.
Das Gebäude selbst verdient Aufmerksamkeit.
Die Besucher betreten es durch ein besonders aufwendig gestaltetes monumentales Portal.
Im Inneren zeigt der zentrale Innenhof die vertikale Organisation des Fondouks.
Übereinanderliegende Galerien umgeben den Patio und schaffen eine eindrucksvolle Perspektive beim Blick in die oberen Stockwerke.
Im gesamten Gebäude lassen sich verschiedene Materialien und dekorative Techniken beobachten, die für die marokkanische Architektur typisch sind:
- geschnitztes Holz;
- bemaltes Holz;
- bearbeiteter Stuck;
- Zellige;
- geometrische Motive;
- Bögen;
- Balustraden;
- kalligrafische Elemente.
Diese Kombination veranschaulicht eine grundlegende Eigenschaft traditioneller marokkanischer Architektur:
Dekoration ist nicht einfach ein Zusatz zum Gebäude, sondern ein wesentlicher Teil seiner Identität.
Der Nejjarine-Platz und sein Brunnen
Der Besuch beginnt eigentlich nicht erst im Museum.
Er beginnt auf dem Nejjarine-Platz.
Vor dem Fondouk befindet sich ein historischer Brunnen, der gemeinsam mit dem Gebäude ein bemerkenswertes architektonisches Ensemble bildet.
Der heutige Brunnen wird der Regierungszeit von Sultan Moulay Abderrahmane im 19. Jahrhundert zugeschrieben.
Er ist besonders wegen seiner Zellige-Dekoration und seiner geschnitzten Elemente bemerkenswert.
In der traditionellen Medina war ein öffentlicher Brunnen weit mehr als nur ein dekoratives Element.
Der Zugang zu Wasser gehörte zur grundlegenden Infrastruktur der Stadt.
Brunnen, Hammams, Moscheen, Gemeinschaftsöfen, Souks und Fondouks bildeten gemeinsam das Netz von Einrichtungen, um das sich das tägliche Leben organisierte.
Die Beobachtung des Nejjarine-Brunnens hilft daher auch dabei, das Funktionieren der historischen Medina besser zu verstehen.
Nejjarine und das Viertel der Tischler
Der Name des Ortes ist kein Zufall.
Auf Arabisch bedeutet nejjar Tischler.
Der Platz und die umliegenden Straßen waren historisch mit Handwerkern verbunden, die Holz bearbeiteten.
Diese Beziehung zwischen dem Gebäude und seiner Umgebung erklärt weitgehend, warum der ehemalige Fondouk heute den Künsten und Handwerken des Holzes gewidmet ist.
In Fès waren traditionelle Handwerke häufig nach Vierteln organisiert.
Einige Bereiche waren mit Gerbern verbunden, andere mit Kupferschmieden, Webern oder Tischlern.
Diese Organisation schuf besondere urbane Atmosphären, in denen Geräusche, Gerüche, Rohstoffe und handwerkliche Gesten Teil der Identität einer Straße oder eines Viertels wurden.
Rund um Nejjarine nahm Holz daher ganz natürlich einen zentralen Platz ein.
Holz in der marokkanischen Architektur
Holz gehört zu den wichtigsten Materialien der traditionellen marokkanischen Architektur.
In Häusern, Palästen, Medresen und Moscheen konnte es verwendet werden für:
- Türen;
- Decken;
- Balken;
- Maschrabiyya;
- Balustraden;
- Truhen;
- Möbel;
- dekorative Elemente.
Zedernholz, besonders verbunden mit den Wäldern des Mittleren Atlas, spielte eine besonders wichtige Rolle in der Architekturgeschichte von Fès.
Seine Widerstandsfähigkeit und seine ästhetischen Eigenschaften erlaubten es den Handwerkern, Elemente zu schaffen, die sowohl tragend als auch dekorativ waren.
Geschnitzt, bemalt, zusammengesetzt oder graviert wurde Holz zu einem echten künstlerischen Medium.
Das Nejjarine-Museum macht diese Vielfalt verständlich.
Vom Baum zum Kunstwerk
Eine der großen Stärken des Museums besteht darin zu zeigen, dass hinter jedem Objekt ein Handwerk steht.
Bevor eine geschnitzte Tür, eine Truhe, ein Möbelstück oder ein architektonisches Element entstehen kann, sind mehrere Arbeitsschritte notwendig.
Das Holz muss ausgewählt, getrocknet, zugeschnitten, zusammengesetzt, geschnitzt und manchmal bemalt oder dekoriert werden.
Diese Prozesse erfordern eine genaue Kenntnis des Materials.
Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten marokkanische Handwerker ein äußerst reiches dekoratives Vokabular mit:
- Geometrie;
- pflanzlichen Motiven;
- Kalligrafie;
- sich wiederholenden Kompositionen;
- Symmetrie.
Traditionell wurden diese Techniken in den Werkstätten weitergegeben.
Der Lehrling beobachtete den Maâlem, den Meisterhandwerker, bevor er nach und nach die notwendigen Handgriffe und Kenntnisse erwarb.
Was kann man im Nejjarine-Museum sehen?
Die Sammlungen des Museums zeigen die vielfältigen Verwendungsformen von Holz in der marokkanischen Gesellschaft.
Besucher können unter anderem entdecken:
- Werkzeuge für die Holzbearbeitung;
- historische Türen;
- architektonische Elemente;
- Möbel;
- Truhen;
- Haushaltsgegenstände;
- Musikinstrumente;
- religiöse Objekte;
- geschnitzte oder bemalte Stücke;
- verschiedene Beispiele traditionellen Handwerks.
Die Vielfalt der Sammlungen macht eine zentrale Idee deutlich:
Holz war in nahezu allen Bereichen des täglichen Lebens präsent.
Es spielte eine Rolle in Architektur, Möbelbau, Musik, religiösen Praktiken, Schriftkultur und zahlreichen Handwerken.
Die Werkzeuge der Handwerker
Einige ausgestellte Objekte mögen bescheidener wirken als große geschnitzte Türen oder reich verzierte Stücke.
Doch die Werkzeuge der Holzbearbeitung gehören zu den interessantesten Exponaten des Museums.
Sie ermöglichen den Übergang vom fertigen Objekt zum Herstellungsprozess.
Hobel, Sägen, Schnitzwerkzeuge und Messinstrumente erinnern daran, dass handwerkliches Erbe vor allem auf Gesten und Techniken beruht.
Ein Holzobjekt ist nicht einfach das Ergebnis einer Zeichnung.
Es ist das Ergebnis von Materialkenntnis, Erfahrung und technischer Meisterschaft, die über die Zeit erworben wurde.
Holz im Alltag
Das Museum zeigt auch zahlreiche Gegenstände aus dem häuslichen Leben.
Truhen, Möbel, Halterungen und verschiedene Accessoires verdeutlichen, wie präsent Holz in marokkanischen Häusern war.
Einige Objekte waren in erster Linie funktional.
Andere verbanden täglichen Gebrauch mit Dekoration.
Diese Grenze zwischen Nutzgegenstand und Kunstobjekt gehört zu den interessantesten Eigenschaften traditionellen Handwerks.
Eine Truhe konnte zur Aufbewahrung von Kleidung dienen und zugleich eine fein geschnitzte Vorderseite besitzen.
Eine Tür konnte ein Haus schützen und gleichzeitig zu einem seiner wichtigsten dekorativen Elemente werden.
Holz und Musik
Holz spielt auch eine wesentliche Rolle bei der Herstellung zahlreicher traditioneller Musikinstrumente.
Das Museum bewahrt verschiedene Instrumente, die die Verbindung zwischen Material, Handwerk und Musikkultur zeigen.
Die Herstellung eines Instruments erfordert besondere Kenntnisse.
Die Wahl der Holzart, die Dicke des Materials und die Form des Resonanzkörpers beeinflussen direkt den erzeugten Klang.
Diese Objekte zeigen, dass Holzbearbeitung weit über Architektur und Möbel hinausgeht.
Sie ist auch eng mit dem musikalischen und immateriellen Kulturerbe Marokkos verbunden.
Holz in der religiösen Architektur

In Moscheen, Medresen und anderen religiösen Gebäuden konnte Holz einen besonders prestigeträchtigen Platz einnehmen.
Geschnitzte Decken, monumentale Türen, dekorierte Balken und liturgische Elemente zeigen das hohe Niveau des handwerklichen Könnens.
Holzbearbeitung wurde mit anderen dekorativen Künsten wie Zellige, geschnitztem Stuck und Kalligrafie kombiniert.
Diese Verbindung ist noch heute in mehreren bedeutenden Monumenten von Fès zu beobachten.
Ein Besuch im Nejjarine-Museum bietet daher eine ausgezeichnete Einführung, bevor man die Medresen und andere historische Bauwerke der Stadt entdeckt.
Vom Fondouk zum Museum
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann sich die traditionelle Funktion des Fondouk Nejjarine zu verändern.
Das Gebäude wurde 1916 als historisches Monument klassifiziert.
Während der Protektoratszeit wurde es für Verwaltungszwecke genutzt und diente zeitweise als Polizeistation.
Wie viele historische Gebäude der Medina benötigte es später umfangreiche Restaurierungsarbeiten.
Ende des 20. Jahrhunderts brachte ein umfassendes Erhaltungsprojekt den Nejjarine-Komplex wieder zum Leben.
Der Fondouk, der Platz und die umliegenden Elemente wurden umfassend restauriert.
Ziel war es nicht nur, ein altes Gebäude zu erhalten.
Es ging auch darum, ihm eine neue Funktion zu geben, die mit seiner Geschichte vereinbar war.
Die Restaurierung des Fondouk Nejjarine
Die Restaurierung des Ensembles begann Anfang der 1990er-Jahre.
Die Arbeiten wurden im Rahmen eines Projekts durchgeführt, das insbesondere von der Mohammed-Karim-Lamrani-Stiftung unterstützt wurde.
Das Projekt betraf nicht nur den Fondouk selbst, sondern auch seine unmittelbare Umgebung.
Die Restaurierung zielte darauf ab, die ursprüngliche Architektur und die traditionellen dekorativen Techniken zu bewahren.
Eine solche Restaurierung stellt eine besondere Herausforderung dar.
Es reicht nicht aus, lediglich Mauern zu reparieren.
Man muss die Materialien verstehen, traditionelle Techniken wieder aufgreifen und mit Handwerkern arbeiten, die historische Dekorationen reproduzieren oder restaurieren können.
Die Restaurierung von Nejjarine wurde somit selbst zu einem Beispiel für die Weitergabe jener handwerklichen Kenntnisse, die das spätere Museum präsentieren sollte.
1998: Entstehung des Museums für Holzkunst und Holzhandwerk
Nach mehreren Jahren der Restaurierung wurde das Nejjarine-Museum für Holzkunst und Holzhandwerk am 23. Mai 1998 eröffnet.
Die Entscheidung, den Ort dem Holz zu widmen, ist besonders stimmig.
Das Gebäude selbst verwendet dieses Material in großem Umfang.
Es befindet sich im historischen Viertel der Tischler.
Und die Sammlungen erzählen einen wesentlichen Teil der Geschichte des marokkanischen Handwerks.
Der ehemalige Handelsort wurde so zu einem Ort der Vermittlung.
Die Waren verschwanden aus den Räumen des Fondouks.
An ihre Stelle traten Objekte, die heute von Berufen, Techniken und der Nutzung des Holzes in der Geschichte Marokkos erzählen.
2025: das erste Label « Musée du Maroc »
Ein neues und wichtiges Kapitel in der Geschichte des Museums begann im Mai 2025.
Das Nejjarine-Museum für Holzkunst und Holzhandwerk wurde zur ersten Institution, die das Label « Musée du Maroc » erhielt.
Das Label ist Teil eines Programms der Nationalen Museumsstiftung und zeichnet Einrichtungen aus, die nationale regulatorische Anforderungen und museale Standards erfüllen.
Diese Anerkennung besitzt für Nejjarine eine besondere symbolische Bedeutung.
Mehr als fünfundzwanzig Jahre nach seiner Eröffnung als Museum verkörpert der ehemalige Fondouk weiterhin eine Form der Denkmalpflege, bei der historisches Erbe bewahrt und gleichzeitig zeitgemäß genutzt wird.
Ein Museum in einem Monument
Nejjarine besitzt eine Besonderheit, die es von vielen anderen Museen unterscheidet.
Manchmal ist es schwer zu entscheiden, was eigentlich die wahre Sammlung ist.
Die ausgestellten Objekte?
Oder das Gebäude selbst?
In Wirklichkeit sind beide untrennbar miteinander verbunden.
Die Sammlungen helfen dabei, die Techniken der Holzbearbeitung zu verstehen.
Der Fondouk zeigt dieselben Fähigkeiten in historische Architektur integriert.
Besucher können daher von einem Objekt in einer Vitrine zu einer Balustrade, einer Decke oder einer Tür des Gebäudes wechseln und beobachten, wie dieselben handwerklichen Traditionen die urbane Umgebung geprägt haben.
Dieser Dialog zwischen Sammlung und Architektur gehört zu den wichtigsten Stärken des Nejjarine-Museums.
Die Terrasse und die Dächer von Fès
Nach dem Rundgang durch die verschiedenen Ebenen des Museums können Besucher in der Regel den oberen Teil des Gebäudes erreichen.
Die Terrasse bietet eine andere Perspektive auf die Medina.
Von oben eröffnet sich ein dichtes Panorama aus Dächern, Minaretten und eng aneinandergebauten Gebäuden.
Diese Aussicht hilft dabei, eine weitere Eigenschaft von Fès el-Bali zu verstehen.
Von den engen Gassen aus kann die Medina manchmal wie ein nahezu geschlossenes Labyrinth wirken.
Von den Dächern aus wird ihre städtische Struktur leichter verständlich.
Die Terrasse ist außerdem ein angenehmer Ort für eine Pause nach dem Rundgang durch die Sammlungen.
Nejjarine in der Medina von Fès
Das Nejjarine-Museum sollte nicht als isolierter Ort besucht werden.
Es liegt im Herzen eines der reichsten historischen Stadtgefüge Marokkos.
Die Medina von Fès steht seit 1981 auf der Liste des UNESCO-Welterbes.
Die UNESCO hebt insbesondere die Bedeutung ihres historischen Stadtgefüges und ihrer Monumente hervor, darunter Medresen, Fondouks, Paläste, Wohnhäuser, Moscheen und Brunnen.
Nejjarine ist vollständig Teil dieser Geschichte.
Der Fondouk hilft dabei, die kommerzielle Dimension der Medina zu verstehen.
Die Sammlungen erzählen von ihren Handwerken.
Der Platz und der Brunnen verweisen auf ihre städtische Infrastruktur.
Und die benachbarten Werkstätten erinnern daran, dass Handwerk nicht nur der Vergangenheit angehört.
Was kann man in der Umgebung des Nejjarine-Museums sehen?
Die Lage des Museums macht es leicht, den Besuch in einen größeren Rundgang durch das Kulturerbe von Fès einzubinden.
Al-Quaraouiyine-Moschee und Universität
In der Nähe befindet sich Al Quaraouiyine, eines der wichtigsten Monumente der intellektuellen und religiösen Geschichte von Fès.
Seine Geschichte reicht bis ins 9. Jahrhundert zurück und ist eng mit der Entwicklung der Medina verbunden.
Medersa Al-Attarine
Die Medersa Al-Attarine gehört zu den großen Meisterwerken merinidischer Architektur.
Sie bietet die Möglichkeit, das Zusammenspiel von Zellige, geschnitztem Stuck, Holz und Kalligrafie zu beobachten.
Nach einem Besuch in Nejjarine erhalten manche architektonischen Details eine neue Bedeutung.
Die Souks von Fès
Die Souks ermöglichen es, die traditionellen Handwerke weiter zu entdecken.
Obwohl sich Techniken und Nutzungen verändert haben, werden viele handwerkliche Tätigkeiten noch heute in der Medina ausgeübt.
Chouara-Gerbereien
Die berühmten Chouara-Gerbereien zeigen ein weiteres großes historisches Handwerk von Fès: die Lederverarbeitung.
Die Kombination von Nejjarine und den Gerbereien ermöglicht es, zwei zentrale Materialien des traditionellen marokkanischen Handwerks zu entdecken: Holz und Leder.
Wie viel Zeit sollte man für das Nejjarine-Museum einplanen?
Um das Gebäude und die Sammlungen angemessen zu entdecken, sollten Sie etwa 45 Minuten bis 1 Stunde einplanen.
Besucher mit besonderem Interesse an Architektur oder Handwerk können leicht länger bleiben.
Gehen Sie nicht zu schnell durch den Innenhof.
Nehmen Sie sich Zeit, das Gebäude von verschiedenen Ebenen aus zu betrachten.
Die Perspektive verändert sich deutlich zwischen Erdgeschoss, oberen Galerien und Terrasse.
Warum sollte man das Nejjarine-Museum besuchen?
Das Nejjarine-Museum hilft dabei, einen wesentlichen Aspekt von Fès zu verstehen, der bei einem schnellen Rundgang durch die Medina leicht übersehen werden kann.
Fès ist nicht nur eine Stadt großer Monumente.
Es ist auch eine Stadt der Handwerke.
Über Jahrhunderte haben Tischler, Kunstschreiner, Holzschnitzer, Gerber, Kupferschmiede, Weber und andere Handwerker die Architektur und Wirtschaft der Stadt geprägt.
Nejjarine erzählt diese Geschichte anhand eines einzigen Materials: Holz.
Doch es erzählt noch eine weitere Geschichte.
Das Gebäude erinnert an eine Zeit, in der Händler mit ihren Waren nach Fès kamen, in Fondouks Unterkunft fanden und am kommerziellen Leben der Stadt teilnahmen.
Die Sammlungen zeigen anschließend, wie Handwerker Rohmaterial in nützliche, religiöse, musikalische und dekorative Objekte verwandelten.
Schließlich zeigt die Restaurierung des Monuments, wie ein historisches Gebäude eine neue Funktion erhalten kann, ohne seine Identität zu verlieren.
Nur wenige Museen vermitteln so unmittelbar die Verbindung zwischen Architektur, Handwerk und urbanem Leben.
Im Nejjarine-Museum wird das Kulturerbe nicht nur in Vitrinen präsentiert.
Es umgibt den Besucher.
Praktische Informationen
Name: Nejjarine-Museum für Holzkunst und Holzhandwerk
Ort: Nejjarine-Platz, Medina von Fès
Gebäude: ehemaliger Fondouk Nejjarine
Bau des Fondouks: Anfang des 18. Jahrhunderts, allgemein auf 1711 datiert
Dynastie: Alawiten
Historische Funktion: Fondouk für Händler, Waren und Reisende
Klassifizierung: seit 1916 historisches Monument
Eröffnung als Museum: 23. Mai 1998
Hauptsammlung: traditionelle Holzkunst und Holzhandwerke
Auszeichnung: erster Empfänger des Labels « Musée du Maroc », verliehen 2025
Empfohlene Besuchsdauer: etwa 45 Minuten bis 1 Stunde
In der Nähe: Al Quaraouiyine, Medersa Al-Attarine, Souks von Fès und Chouara-Gerbereien
Quellen und Referenzen
- UNESCO — Medina von Fès
- Marokkanisches Fremdenverkehrsamt — Museen und Kulturerbe von Fès
- Maroc.ma — Erstes Label « Musée du Maroc » für das Nejjarine-Museum
- Discover Islamic Art — Fondouk Nejjarine
MoroccoMuseum-Tipp: Konzentrieren Sie sich nicht nur auf die ausgestellten Objekte. In Nejjarine ist der Fondouk selbst Teil der Sammlung. Nehmen Sie sich Zeit, das Portal, die Galerien, die Balustraden und die Holzelemente zu betrachten, bevor Sie zu den oberen Ebenen hinaufgehen. So verstehen Sie, warum aus einem ehemaligen Handels- und Unterkunftsort ein Museum für Holzkunst wurde.



